Alles Murks oder was? Kaum gekauft und schon kaputt

Beschleunigte Umwandlung von Rohstoffen und Arbeitskraft in Müll

Haltbare Geräte bremsen Wirtschaftswachstum

Unsere Großmütter besaßen noch Waschmaschinen, die nicht selten älter als 25 Jahre wurden. Mit derartig veralterter Technik müssen wir uns heute nicht mehr abgeben.

Jeder hat das schon mal erlebt: Kurz nach Ablauf der Garantiezeit gibt das Gerät den Geist auf. Nicht ärgern, wir haben uns lediglich weiterentwickelt und unser ganzes Wissen in den Dienst der modernen Industrie gestellt. Das ist Fortschritt mit eingebautem Verfallsdatum.

Merksatz: Wirtschaftlich ist, wenn viel gekauft, verbraucht und weggeworfen wird.

100 Milliarden für die Industrie

Wer also Wachstum fördern will, sorgt dafür, dass Geräte nicht allzu lange halten oder gar repariert werden können.

Glücklicherweise hat sich unsere Industrie darauf bereits eingestellt: weiche Gummisohlen, die sich schnell ablaufen, nicht austauschbare Akkus in Elektrogeräten, zerbrechliche Plastikzahnräder in Haushaltsgeräten, kleine Elektroteile, die sich in Nichts auflösen – die Strategie der Qualitätsverschlechterung hält unsere Wirtschaft unter Dampf.

Müssten wir nicht ständig neue Produkte kaufen, weil die alten zu früh kaputt gehen, hätten die Verbraucher im Jahr 100 Milliarden Euro übrig. [1]

Dieses Geld würde natürlich der Industrie fehlen. Eine schreckliche Vorstellung: die Profite würden einbrechen, die Börsen absacken, die Müllberge würden kleiner und wir müssten uns überlegen, was wir mit der gewonnenen Zeit anfangen sollen.

Merksatz: Mehr kaputte Geräte beschleunigen die Umwandlung von Rohstoffen und Arbeitskraft in Müll und garantieren Arbeitsplätze. Diese Arbeitsplätze brauchen wir, um Geld zu verdienen für Geräte, die geplant kaputt gehen, für die neuen Geräte, die dann notwendig sind und für die Folgekosten der Müllberge und Umweltverschmutzung, denn die bezahlt ja die Allgemeinheit und nicht die Industrie. Das nennt man Fortschritt.

Wenn es doch nicht kaputt geht, hilft Psychologie

Auch für den Fall, dass ein Gerät länger hält als gewünscht, haben wir eine Lösung. Die Industrie bringt ein Nachfolgemodell heraus und gibt per Werbebotschaft  dem Verbraucher das Gefühl, ein veraltetes Produkt zu besitzen und somit als Person „von gestern“ zu sein. Wer will schon gerne als „alt“ und „unmodern“ eingestuft werden?

Ein alter Trick, der immer wieder funktioniert.

Früher war ein Mensch nur ein Mensch – heute ist er ein moderner Verbraucher

Wir haben uns weiterentwickelt – vom einfachen Menschen zum modernen Verbraucher. Deshalb braucht der moderne Mensch auch keine Menschenrechte mehr, sondern er genießt Verbraucherschutz. Das reicht.

Merksatz: Nur ein Mensch, der viel verbraucht, ist ein moderner Mensch.

Noch nie ging es uns so gut wie heute

Je mehr kaputt geht, umso besser geht es der Wirtschaft. Deshalb wählen wir auch mehrheitlich Politiker, die etwas von Wirtschaft verstehen. Noch nie haben wir so viel kaputt gemacht wie heute.

Ganz bestimmt kriegen wir auch noch die Welt kaputt. Dann gibt´s eine neue. Die alte war ja auch schon alt genug.

Gut, dass wir es so weit gebracht haben, sonst müssten wir wie unsere Oma in 15 Jahren immer noch mit derselben Waschmaschine waschen – oder in 200 Jahren noch auf dem gleichen Planeten leben.

Murks? Nein Danke!

Wer lieber rückschrittlich lebt, kann sich ja beschweren. Bei „Murks? Nein Danke!“ kann man den Murks melden, den man gekauft hat. [2]

Bild: Initiative "Murks? Nein Danke!"

Bild: Initiative „Murks? Nein Danke!“

„Geplante Obsoleszenz“ heißt das Fachwort – aus dem lateinischen obsolescere‚ sich abnutzen, alt werden, aus der Mode kommen, an Ansehen, an Wert verlieren. [3]

Bei „Murks? Nein Danke!“ macht man sich stark gegen den geplanten Verschleiß von Produkten, der nur einen Zweck hat, nämlich den Profit der Unternehmen künstlich hoch zu halten.

Laut Definition dient die Wirtschaft dazu, den Unterhalt des Menschen zu sichern. [4] Das muss eine alte Definition sein, denn die moderne Wirtschaft dient dazu, die Umwandlung von Rohstoffen in Müll so zu beschleunigen, dass der Profit der Unternehmen gesteigert wird.

So sehr man seinen gesunden Menschenverstand auch bemüht, der Sinn modernen Wirtschaftens will sich nicht so recht erschließen. Am Ende bleiben nur Betrug, Verschwendung von Zeit, Energie und Natur.

Vielleicht gilt stattdessen ein neues Verständnis von Wohlstand: „Wohlstand ist nicht, mehr zu haben, sondern weniger zu brauchen.“ [5]

Quellenangaben:
[1] Süddeutsche.de: Studie zu Elektrogeräten: Geplanter Verschleiß ist ein Massenphänomen, 20.03.2013, URL: http://www.sueddeutsche.de/geld/studie-zu-elektrogeraeten-geplanter-verschleiss-ist-ein-massenphaenomen-1.1628942 (Stand: 28.02.2014)
[2] Murks melden bei www.murks-nein-danke.de
[3] Wikipedia: Definition des Begriffs „Geplante Obsoleszenz“, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Geplante_Obsoleszenz (Stand: 28.02.2014)
[4] Wikipedia: Definition des Begriffs „Wirtschaft“, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft (Stand: 28.02.2014)
[3] Verbraucherzentrale Bundesverband: Hyewon Seo: Geplante Obsoleszenz – Sind Verbraucher gegen Kurzlebigkeit geschützt? – Fachgespräch im Bundestag bei der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen, Berlin, 20.03.2013, URL: http://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/umwelt/PDF/vzbv_Geplante_Obsoleszenz.pdf (Stand: 28.02.2014)

Video/Dokumentation:
[1] YouTube, Ylere: Kaufen für die Müllhalde (ARTE,HD), URL: http://www.youtube.com/watch?v=zVFZ4Ocz4VA (Stand: 28.02.2014)

Weiterführende Literatur:
[1] Bündnis 90, Die Grünen: Gekauft, gebraucht, kaputt, 21.03.2013, URL: http://www.gruene-bundestag.de/themen/umwelt/gekauft-gebraucht-kaputt_ID_4387858.html (Stand: 28.02.2014)
[2] Spiegel Online: Studie zu Geräteverschleiß: Der kaputte Konsum, 21.03.2013, URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/geplanter-verschleiss-von-elektro-geraeten-gruene-legen-studie-vor-a-890039.html (Stand: 28.02.2014)
[3] Zeit Online: Gekauft und kaputt, 08.04.2013, URL http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-04/produkte-schwachstellen-garantie-hersteller/komplettansicht (Stand: 28.02.2014)
[4] Konsumpf – Forum für kreative Konsumkritik: Kaufen für die Müllhalde, 26.02.2011, URL: http://konsumpf.de/?p=10796 (Stand: 28.02.2014)
[5] Konsumpf – Forum für kreative Konsumkritik: Widerstand gegen den Wegwerfwahn, 29.11.2011, URL: http://konsumpf.de/?p=13008 (Stand: 28.02.2014)
[6] Konsumpf – Forum für kreative Konsumkritik: Die Konsumtricks der Industrie, 08.12.2013, URL: http://konsumpf.de/?p=15254 (Stand: 28.02.2014)

Studie/Gutachten:
[1] Stefan Schridde, Christian Kreiß: Geplante Obsoleszenz, Gutachten im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Berlin, 2013, URL: http://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/umwelt/PDF/Studie-Obsoleszenz-BT-GRUENE.pdf (Stand: 28.02.2014)

Offizielle Dokumente:
[1] Deutscher Bundestag: Antrag: Geplanten Verschleiß stoppen und Langlebigkeit von Produkten sichern, Drucksache 17/13917, Berlin, 12.06.2013, URL: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/139/1713917.pdf (Stand: 28.02.2014)
[2] Deutscher Bundestag: Antrag: Sammlung und Recycling von Elektronikschrott verbessern, Drucksache 17/8899, Berlin, 07.03.2012, URL: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/088/1708899.pdf (Stand: 28.02.2014)

Präsentationen:
[1] Stefan Schridde: Gutachten „Geplante Obsoleszenz“ – Fachgespräch im Bundestag bei der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen, Berlin, 20.03.2013, URL: http://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/umwelt/PDF/Schridde.pdf (Stand: 28.02.2014)
[2] Umweltbundesamt: Kristine Sperlich, Ines Oehme: Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen „geplante Obsoleszenz“- Fachgespräch im Bundestag bei der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen, Berlin, 20.03.2013, URL: http://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/umwelt/PDF/UBA.PDF (Stand: 28.02.2014)
[3] Verbraucherzentrale Bundesverband: Hyewon Seo: Geplante Obsoleszenz – Sind Verbraucher gegen Kurzlebigkeit geschützt? – Fachgespräch im Bundestag bei der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen, Berlin, 20.03.2013, URL: http://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/umwelt/PDF/vzbv_Geplante_Obsoleszenz.pdf (Stand: 28.02.2014)

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. World Overshoot Day: Die Erde ist ab heute leider nicht mehr verfügbar | DER WILDECKER

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*