Geschenk an die Jugend: Jeder kriegt ein Fässchen

Profitgier statt Verantwortung

Bild: Oliver Hallmann auf Flickr, Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)

Da soll doch noch mal einer sagen, die Atomwirtschaft denkt nicht an die Jugend. Na klar tut sie das – und zwar denken sie:

Sollen sich doch die künftigen Generationen mit dem Scheiß rumschlagen!

Was läuft hier ab?

Nachdem die deutsche Atomwirtschaft seit 1954 schätzungsweise 200 Milliarden Euro verdient und obendrein laut Umweltbundesamt noch 40 bis 60 Milliarden Förderung von Bund und Ländern einkassiert hat, will sie die Kosten und Risiken für ihren Atommüll auf die Allgemeinheit und auf künftige Generationen abwälzen. [1]

Drei der großen Stromversorger E.on, RWE und EnBw schlagen vor, den restlichen Betrieb und den Abriss der Atomkraftwerke sowie die Endlagerung des Atommülls in eine Stiftung öffentlichen Rechts zu überführen. [2]

Im Klartext: Der ganze Mist gehört dann den Bürgern und die Atomwirtschaft ist fein raus.

Das Ergebnis folgender Rechnung hätten wir mal gerne

Die 35,8 Milliarden Euro, die die Kernkraftwerkbetreiber bisher als Rückstellung für den Abriss der Atomkraftwerke ansparen mussten, könnten in einen staatlichen Fonds übertragen werden und stünden für den Abriss der 17 Atommeiler zur Verfügung.

Dass diese vorn und hinten nicht reichen, wissen die Experten der Bundesregierung aber längst. Laut Bundesforschungsministerium sind für den Rückbau zweier Atomanlagen aus der ehemaligen DDR in Greifswald und Rheinsberg inzwischen mehr als 3,2 Milliarden Euro angefallen. [3]

An die Berechnung der Kosten der Endlagerung des Atommülls hat sich noch keiner ran getraut. Die sind vermutlich gigantisch und kommen noch hinzu.

450 Tonnen hochradioaktiver Atommüll fällt jährlich in Deutschland an. In Summe besitzen wir etwa 12.500 Tonnen; im Laufe der restlichen Laufzeit der Atomkraftwerke dürften es dann 17.100 Tonnen sein. [4]

Von diesem hochradioaktivem Müll darf  200.000 Jahre keine Strahlung in die Umwelt gelangen. Die Endlager müssen jeglichen Widrigkeiten, wie z.B. schweren Erdbeben oder einer Eiszeit stand halten. [5]

Also eine einfache Rechnung:

Jährliche Kosten für Lagerung und Schutzmassnahmen für 17.100 Tonnen x 200.000 Jahre = macht wieviel?

Für die geballte Wirtschaftskompetenz, mit der sich unsere Regierung immer rühmt, ist die Rechnung sicherlich ein Klaks.

Die Rechnung macht aber deshalb keiner, weil alle das Ergebnis bereits kennen:

Atomenergie kann so betrachtet niemals wirtschaftlich sein und birgt auf 200.000 Jahre unkalkulierbare Risiken.

Die Atomindustrie hat die Profite einkassiert und jetzt, wo es ernst wird, will sie sich aus der Verantwortung stehlen.

Mit ein wenig Kreativität geht´s vielleicht auch anders

Wenn wir nicht wissen, wohin mit dem Zeug, könnte es im Alltag vielleicht auch ganz nützlich sein.

So könnten die neuen IKEA-Atomlampen aussehen:

Atomlampen

Wenn jeder ein Fässchen nimmt, ist das Problem vom Tisch.

Und was sagt man, wenn man etwas geschenkt bekommt?

Danke schön!

Zum Bedanken bitte auf diesen Link klicken.

Quellen

[1] Michael Kröger: Debatte über Abbruch-Fonds: Was E.on und Co. mit ihren Atommeilern verdient haben, in: Spiegel.de, 12.05.2014, URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/atomkraft-was-eon-und-co-mit-ihren-atomeilern-verdienten-a-968941.html (Stand: 29.05.2014)

[2] Christoph Jehle: Die Atomwirtschaft geht stiften, in: Spiegelfechter, 13.05.2014, URL: http://www.spiegelfechter.com/wordpress/129418/die-atomwirtschaft-geht-stiften (Stand: 29.05.2014)

[3] Michael Kröger: Debatte über Abbruch-Fonds: Was E.on und Co. mit ihren Atommeilern verdient haben, a.a.O.

[4] Arbeitskreis gegen Atomanlagen Frankfurt: Eine Prognose zum Atommüll in Deutschland, in: Anti-Atom-Gruppe Osnabrück, URL: http://www.antiatomgruppe-osnabrueck.de/anti-atom/atommull/ (Stand: 29.05.2014)

[5] Weltweit handelt es sich im Übrigen um 300.000 Tonnen hochradioaktiven Abfalls und ein Ende ist nicht in Sicht. Siehe: Arbeitskreis gegen Atomanlagen Frankfurt: Eine Prognose zum Atommüll in Deutschland, a.a.O.

Weiterführende Informationen

[1] Statista.de: Jährlich produzierte Menge Atommüll in weltweit ausgewählten Ländern (in 100 Tonnen), URL: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/167241/umfrage/jaehrlich-produzierte-menge-an-atommuell-in-ausgewaehlten-laendern/ (Stand: 29.05.2014)

Grafik: Statista.de

Grafik: Statista.de

[2] DasErste.de: Monitor: Atomlüge: Die wahren Kosten der Endlager, Sendung vom 23.07.2009, URL: http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2009/0723/atom.php5 (Stand: 29.05.2014)

[3] BUND: Atommüll: Das ungelöste Entsorgungsproblem, URL: http://www.bund.net/themen_und_projekte/atomkraft/atommuell/wohin_mit_dem_muell/ (Stand: 29.05.2014)

[4] Christina Steinlein: Wieviel hochradioaktiver Müll in Deuschland lagert, in: focus.de, 05.11.2010, URL: http://www.focus.de/wissen/technik/tid-20278/atommuell-wieviel-hochradioaktiver-muell-in-deutschland-lagert_aid_567043.html (Stand: 29.05.2014)

[5] Albrecht Müller: Die Hybris der Atomwirtschaft – die Lasten sollen mal wieder sozialisiert werden und der Bund wird wahrscheinlich einknicken, in: Nachdenkseiten, 12.05.2012, URL: http://www.nachdenkseiten.de/?p=21696 (Stand: 29.05.2014)

[6] faz.net: Grüne wollen über Atom-Altlastenfonds reden, 13.05.2014, URL: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/gruene-wollen-ueber-atom-altlastenfonds-reden-12936753.html (Stand: 29.05.2014)

[7] Spiegel.de: Gewinneinbruch: E.on-Chef fordert Hilfen für Kohle- und Gaskraftwerke, 13.05.2014, URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/e-on-teyssen-fordert-hilfen-fuer-kraftwerke-a-969057.html

2 Kommentare zu Geschenk an die Jugend: Jeder kriegt ein Fässchen

  1. Thomas Wipf // 29. Mai 2014 um 18:50 // Antworten

    Schön nach dem Motto: Gewinne privatisieren und Risiken/Verluste vergesellschaften. Der Kapitalismus entdeckt den Sozialismus! Wer hätte das gedacht!

  2. Von Anfang an wurde so gedacht. Das ist nämlich die eigentliche Definition von „wirtschaftlicher Kompetenz“.

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