Brauch mer net – woll mer net: Kein Gift in hessische Erde

Hessen stoppt Fracking

Bild: Bert Kaufmann_Flickr__CC BY 2.0 (zus. Hessenwappen, d. Red.)

Ein guter Tag für Nordhessen

Wir wollen, dass Nordhessen weiterhin so aussieht:

  • Bild: floovo_Nordhessen_Flickr_CC BY-NC-ND

Und nicht so:

Bild: Simon Fraser University PAMR_Flickr_CC BY 2.0

Bild: Simon Fraser University PAMR_Flickr_CC BY 2.0

Was ist passiert?

Der kanadische Konzern BNK Petroleum wollte in Nordhessen großflächig Vorkommen von Schiefergas erkunden, mittels Fracking abbauen und dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Auch der als Weltnaturerbe anerkannte Nationalpark Kellerwald-Edersee wäre betroffen gewesen. Als das Regierungspräsidium Darmstadt den Antrag ablehnte, verklagte der Konzern das Land Hessen.

Vielen Dank auch für die Rechnung! 

Jetzt hat sich die Hessische Landesregierung mit dem Konzern außergerichtlich geeinigt und Fracking in Hessen vorerst gestoppt. Die fünfstellige Entschädigung an den Konzern und die Prozesskosten trägt der Steuerzahler. [1]

Das Geld hätten wir lieber in eine Schule oder in einen Kindergarten investiert.

Aus Versehen: Ein Mitarbeiter sagt die Wahrheit

Unbeabsichtigt hat ein Mitarbeiter eines Fracking-Unternehmens vor laufender Kamera weitergesprochen. Hier noch einmal das Zitat aus dem Artikel „In´s eigene Knie geschossen: Fracking-Boss protestiert gegen Fracking“:

„Wir spalten das Gestein mit C4 Sprengstoff. Dann tritt aus den Rissen das Gas aus. Man braucht 1 Million Barrel Wasser [1 Barrel = 159 Liter, d. Red.] – allein für eine Etappe – und es gibt 10 davon […]

Und dann noch mal 18 Lkw-Ladungen Sand […] den braucht man, um die Risse offen zu halten – […] In den nächsten 50 Jahren wird das Abwasser nach oben kommen […] Eines der größten Probleme bei der hydraulischen Fakturierung ist das hochgradig kontaminierte Abwasser.

Das stark kontaminierte Abwasser wird aus dem Boden austreten; die nächsten 25 bis 50 Jahre. Wohin wird dieses Wasser fließen? Die Gasfirmen werden nicht hierbleiben, um es aufzufangen!“ [2]

Die FDP sieht das alles ganz anders

Ja, die gibt´s noch – Hessen hat halt auch ein Herz für die ewig Gestrigen. Alle Parteien im Hessischen Landtag (CDU, SPD, Grüne, Linke) waren gegen Fracking, nur die FDP nicht.

Die Argumentationslinie von Florian Rentsch, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag:

1. Wer gegen Fracking ist, ist gegen die Wirtschaft.
2. Wer gegen Fracking ist, ist nicht offen für Technologien.

Die Beiträge aller Parteien zur Debatte im Hessischen Landtag kann man hier im Video sehen. [3]

Wirtschaft muss also gar nicht wirtschaftlich sein

Offensichtlich spielt es für die FDP keine Rolle, dass die Amerikanische Energiebehörde EIA die durch Fracking gewinnbaren Ölmengen in Kalifornien neu bewertet und „ihre Prognosen dabei um 96 Prozent nach unten korrigiert“ hat. „Nur 600 Millionen Barrel anstatt der bisher erhofften Menge von 13.700 Millionen Barrel sollen förderbar sein.“ [4]

Also nur 4% von dem, was man sich ursprünglich erhofft hat. Das ist wirtschaftlich und zukunftsorientierte Spitzentechnologie. Jedenfalls in den Augen der FDP.

In anderen Worten:

1. Wirtschaft braucht gar nicht wirtschaftlich sein, jedenfalls nicht für die Bürger.
2. Technologie ist auch dann fortschrittlich, wenn sie auf Kosten von Mensch, Umwelt und Zukunft geht.

Wenn das so ist, hat die FDP natürlich recht.

Wer anderer Meinung ist, kann ja hier drauf klicken und der Bundesregierung Bescheid sagen.

Das ist wichtig, weil die Sache noch nicht ganz vom Tisch ist

Hessen hat den ersten Schritt gemacht. Herzlichen Glückwunsch!

Eine allgemein gültige Rechtsgrundlage, um Fracking dauerhaft auszuschließen, gibt es aber noch nicht.

„Erst wenn die Bundesregierung der Aufforderung des Bundesrates in Sachen Fracking folgt, können wir mit Bestimmtheit sagen, dass wir in Hessen zu keinem Zeitpunkt und an keiner Stelle Fracking werden erlauben müssen.“ [5]

Quellen

[1] Sabine Hardt: Klage zurückgezogen – Fracking-Unternehmen gibt klein bei, in: hr-online, 20.08.2014, URL: http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=34954&key=standard_document_52743431 (Stand: 22.08.2014)

[2] Stephan Balka: Fracking – Ein Mitarbeiter sagt die Wahrheit, YouTube, 27.02.2013, Länge: 2:34 Min, URL: http://youtu.be/_cChjD8_860 (Stand: 02.08.2014)

[3] Die Beiträge aller Parteien im Video: Am 17. Juli 2014 diskutierte der Hessische Landtag das Thema Fracking. 

hr-online: Aus dem Landtag, 17.07.2014, URL: http://www.hr-online.de/website/specials/home/index.jsp?rubrik=88141&startrubrik=30676 (Stand: 22.08.2014)

[4] Uwe Albrecht: Fracking: Nach dem Rausch kommt der Kater, in: WiWo Green, 29.05.2014, URL: http://green.wiwo.de/fracking-nach-dem-rausch-kommt-der-kater/ (Stand: 02.08.2014)

[5] Sabine Hardt, a.a.O.

Weiterführende Informationen

Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Studie „Ressourcenschwindel Schiefergas“, in Zusammenarbeit mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz e. V. (BUND) und Friends of the Earth Europe, Berlin, 2013, URL: http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/klima/131016_bund_klima_und_energie_broschuere_ressourcenschwindel_schiefergas.pdf (Stand: 22.08.2014)

BUND.net: BUND fordert gesetzliches Verbot von Fracking in Deutschland, URL: http://www.bund.net/themen_und_projekte/klima_und_energie/kohle_oel_und_gas/fracking/?pk_campaign=fracking (Stand: 22.08.2014)

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