World Overshoot Day: Die Erde ist ab heute leider nicht mehr verfügbar

Eigentlich bräuchten wir 1,5 Erden

Bild: INKOTA Netzwerk_Flickr_Attribution_CC BY-NC-SA 2.0

Heute ist „Earth Overshoot Day“ oder „Welterschöpfungstag“ oder „Erdüberlastungstag“. [1]

Ab heute lebt die Welt auf Kosten der Kinder. Wasser, Energie, Land, Früchte, Fische usw – alles aufgebraucht.

Blödsinn, werdet ihr jetzt sagen, wenn ich morgen den Wasserhahn aufdrehe, kommt auch noch Wasser raus.

Stimmt, aber um auch in Zukunft zu garantieren, dass wir die gleiche Menge an sauberem Wasser, fruchtbarer Erde, sauberer Luft, natürlichen Lebensmitteln und Energie zur Verfügung haben, müssten wir der Erde mehr Zeit zur Regeneration und zum Wiederaufbau lassen.

Bild: Global Footprint Network

Bild: Global Footprint Network

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Wir entnehmen der Erde zu viel, zu schnell oder verwandeln natürliche Ressourcen in Müll, verpesten die Luft und vergiften Wasser und Land.

Eigentlich bräuchten wir heute schon 1,5 Erden.

In anderen Worten: Die halbe Erde, die wir heute zu viel verbrauchen, ist nicht mehr brauchbar, wenn unsere Kinder sie brauchen.

„1987 lebte die Menschheit erstmals auf zu großem Fuß: Overshoot Day war der 19. Dezember. 1995 hatten die Menschen bereits am 21. November jene Ressourcen verbraucht, die eigentlich bis zum Jahresende reichen sollten. 2006 war es der 9. Oktober, 2009 bereits der 24. September.“ [3]

Dieses Jahr ist heute schon Schluss, am 19. August

Dabei sind nicht alle Staaten gleich verantwortlich für diesen Raubbau. Die USA hatten ihren eigenen Anteil schon im März verbraucht und benötigen eigentlich 4 Erden, wenn die ganze Welt sich so aufführen würde wie sie. [4]

Und mehr als 2,5 Erden wären notwendig, wenn die ganze Welt so leben würde wie wir gegenwärtig in Deutschland. [5]

Die Wachstums- und Wohlstandslüge

Was wir heute unter „Wachstum“ verstehen, ist eine Lüge. Tatsächlich gemeint ist damit der „Verbrauch“. Vom Verbrauch profitieren nur die Konzerne und nicht die Menschen.

In Wahrheit wird den Menschen immer mehr weggenommen: Frisches Wasser, gesundes Essen, eine schöne Natur, Lust zum Arbeiten, Zeit mit Freunden, Gesundheit und Lebensfreude.

Aus Menschen hat man schon längst Verbraucher gemacht. Kein Mensch beschwert sich darüber.

Warum eigentlich nicht?

Was ist das für ein Wohlstand, wenn das Ergebnis ist, dass wir von allem immer weniger haben? Zeit inklusive! Dafür aber mehr Müll und einen unbrauchbaren Planeten.

Unter Fortschritt verstehe ich was anderes als das hier:


Video: Steve Cutts: Man, YouTube [6]

Vielleicht sollten wir mal unseren Verstand einschalten und die ganze Sache einfach komplett umdrehen:

Die Welt dreht sich nicht mehr um Kapital und Konzerne, sondern wieder um den Menschen.

Wir würden uns nicht mehr dumm stellen und so tun, als ob alles in unbegrenztem Maße vorhanden ist.

Und vor allem nichts absichtlich zerstören, vergiften und kaputt machen. Von kleinen Kindern verlangen wir das, aber bei Konzernen und Finanzspekulanten akzeptieren wir es.

Warum eigentlich?

Eigentlich wissen wir Bescheid

Spätestens seit der Initiative des Club of Rome „Grenzen des Wachstums“ im Jahre 1972. [7]

Unsere sogenannten Experten predigen aber unbeirrt den Schnee von gestern, unsere Professoren befinden sich im Schnarchzustand und unsere Politiker wollen uns den Bären aufbinden, dass alles sei „alternativlos“. Ende der Diskussion.

Ein dummes Totschlag-Argument, wenn man nichts ändern will und etwas zu verbergen hat.

Die gute Nachricht ist: Es gibt noch Mitdenker, die nach Lösungen suchen und dabei gute Fortschritte gemacht haben. Und Studenten lassen sich mit den überholten Weisheiten von gestern auch nicht mehr so einfach auf´s Glatteis führen. Die einen nennen es „Postwachstumsökonomie“, die anderen „Neue Wirtschaft“.

Mehr Informationen dazu in diesem Artikel.

Dann hätten wir vielleicht wieder Tomaten, die schmecken, Arbeit, die Sinn macht und mehr Zeit, das Leben zu genießen.

Oder wollen wir solche Bilder in Zukunft nur noch im Fernsehen sehen können, aber nicht mehr in echt?

Bild: Marina del Castell_Flickr_Attribution_CC BY 2.0

Bild: Marina del Castell_Flickr_Attribution_CC BY 2.0

Bild: Georgie Sharp_Flickr_Attribution_CC BY-NC 2.0

Bild: Georgie Sharp_Flickr_Attribution_CC BY-NC 2.0

Bild: Marina del Castell_Flickr_Attribution_CC BY 2.0

Bild: Marina del Castell_Flickr_Attribution_CC BY 2.0

Der Erde ist egal, für was wir uns entscheiden.

Die erholt sich prächtig, wenn wir alle nicht mehr da sind.

Quellen

[1] Lexikon der Nachhaltigkeit: Earth Overshoot Day, URL: http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/earth_overshoot_day_1762.htm (Stand: 19.08.2014)

[2] Global Footprint Network, URL: http://www.footprintnetwork.org/de/index.php/gfn/page/earth_overshoot_day/ (Stand: 19.08.2014)

[3] Christian Mihatsch, Nick Reimer: Licht aus beim Importweltmeister, in: Klimaretter.info, 19.08.2014, URL:  http://www.klimaretter.info/umwelt/hintergrund/17004-licht-aus-beim-umwelt-importmeister (Stand: 19.08.2014)

[4] Global Footprint Network: Footprint for Nations – United States of Amerika, URL: http://www.footprintnetwork.org/en/index.php/GFN/page/trends/united_states_of_america/ (Stand: 19.08.2014)

[4] Umweltbundesamt, Frank Hoenerbach: Earth Overshoot Day 2014: Ab heute leben wir von der Substanz, in: ECO-World.de, 19.08.2014, URL: http://www.eco-world.de/scripts/basics/econews/basics.prg?session=42f9430653f393f5_383136&a_no=28872 (Stand: 19.08.2014)

[5] Steve Cutts: Man, hochgeladen am 21.12.2012 auf YouTube, URL: http://youtu.be/WfGMYdalClU (Stand: 19.08.2014)

[6] Dr. Donella H. Maedows: Die Grenzen des Wachstums, Massachusetts Institute of Technology (MIT), 1972, in: Lexikon der Nachhaltigkeit, URL: http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/ziele_und_wege_3/Probleme_95/meadows_u_a_die_grenzen_des_wachstums_1972_1373.htm (Stand: 19.08.2014)

Die „Grenzen des Wachstums“ wurden im Jahr 1972 veröffentlicht. Die Studie „Limits to Growth“ gilt als eine der Ur-Studien zur nachhaltigen Entwicklung. Sie entstand auf Initiative von und mit Unterstützung des Club of Rome und wurde von der Stiftung Volkswagenwerk gefördert. Erstellt wurde sie von einem Team von 17 Wissenschaftlern am MIT Massachusetts Institute of Technology. Die vier Hauptautoren sind (waren) Dr. Donella H. Meadows (gestorben 2001), ihr Mann Dr. Dennis L. Meadows, Dr. Erich K. O. Zahn und Peter Milling.

Der „Club of Rome“ wurde 1968 in Rom gegründet als „ein neuer Weg, die Weltproblematik anzupacken, mit der die Gesellschaft konfrontiert wurde, weil die bestehenden Wege zu eng und die Regierungen zu stark in Ressorts unterteilt waren“. Er beschreibt sich selbst als eine nicht-profitorientierte Nichtstaatliche Organisation, eine „Denkfabrik und ein Zentrum für Forschung und Handeln, für Innovation und Initiativen“ („a thinktank and a centre of research and action, of innovation and initiative“). URL: http://www.clubofrome.de/

Weitere Informationen

Wikipedia: Earth Overshoot Day, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Earth_Overshoot_Day (Stand: 19.08.2014)

Global Footprint Network, URL: http://www.footprintnetwork.org/de/index.php/ (Stand: 19.08.2014)

Earth Footprint Network: Die Menschen verbrauchen innerhalb von 8 Monaten die globalen Ressourcen eines ganzen Jahres, URL: http://www.footprintnetwork.org/de/index.php/gfn/page/earth_overshoot_day/ (Stand: 19.08.2014)

Werner Eckert: Earth Overshoot Day: Jetzt leben wir ökologisch auf Pump, in: SWR.de, 19.08.2014, URL: http://www.swr.de/landesschau-aktuell/earth-overshoot-day-jetzt-leben-wir-oekologisch-auf-pump/-/id=396/nid=396/did=14012660/a7ykwu/index.html (Stand: 19.08.2014)

Valerie Wilms: Earth-Overshoot-Day – Die Ernte ist eingefahren, in: Grüne-Bundestag.de, 18.08.2014, URL: https://www.gruene-bundestag.de/presse/pressemitteilungen_ID_2000147/2014/august/earth-overshoot-day-die-ernte-ist-eingefahren_ID_4392638_ID_4392638.html (Stand: 19.08.2014)

BUNDjugend: Ab heute leben wir auf Pump, 20.08.2013, URL: http://bundjugend.de/ab-heute-leben-wir-auf-pump/ (Stand: 19.08.2014)

Heiner Kiesel: Ab heute ist die Erde aufgebraucht, in: Deutsche Welle.de, 20.08.2013, URL: http://www.dw.de/ab-heute-ist-die-erde-aufgebraucht/a-17031616 (Stand: 19.08.2014)

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