Leckereien im Herbst: Oma´s Osthessischer Apfelkuchen mit vollem Programm

Zugelassene Konservierungszusätze und Farbstoffe: Hexamethylentetramin, Hydroxybenzoesäuremethylester, Chromoxydgrün, Wasserstoffsuperoxyd

Wer kennt das nicht: Die Strahlen der Spätsommersonne fallen durch die Blätter der Bäume und der Duft von frischem Kaffee steigt aus der Tasse auf. Jetzt fehlt nur noch eine Leckerei, die gut zur Jahreszeit passt.

Bild: Robert A. Hohmann_Spätsommer_CC BY-SA 2.0

Bild: Robert A. Hohmann_Spätsommer_CC BY-SA 2.0

Option 1, wenn´s schnell gehen soll: „Elefantencreme“

Erfrischend und herzhaft zugleich, auch für die ungeübte Hand, von Altmeister Loriot:

„Je nach Personenzahl einen bis zwei zarte Elefanten mit 3 Litern Vollmilch und 150 g Zucker kurz aufwellen lassen, unter ständigem Rühren 1 Eigelb beigeben, in gespülte Puddingform gießen, nach dem Erkalten stürzen und mit Mandeln servieren.“ [1]

Zutatenliste

1-2 mittelgroße Elefanten (in der Kühlabteilung von jedem gut sortierten Supermarkt)
3 Liter Vollmilch
150 g Zucker
1 Ei
100 g Mandeln

Option 2: „Oma´s Osthessischer Apfelkuchen mit vollem Programm“

Volles Programm heißt: MIT Schmand und MIT Streuseln! Dauert zwar etwas länger, aber wenn man alle Zutaten erst einmal im Haus hat, geht es schnell von der Hand :-)

Schritt 1: Spaziergang auf dem Land

Ausrüstung: Festes Schuhwerk, ein Übergangspullover, Beinkleid nach Wahl, einen Korb oder Stoffbeutel. Ca. 45 Min dort spazieren gehen, wo noch alte Äpfelbäume am Wegesrand stehen. Früher standen da Nummern dran und man konnte die Bäume für 5 DM bei der jeweiligen Gemeinde „kaufen“ und abernten.

Bild: Robert A. Hohmann: Äpfel aus dem Lahntal, CC BY-SA 2.0

Bild: Robert A. Hohmann: Äpfel aus dem Lahntal, CC BY-SA 2.0

Macht heute keiner mehr. Die Äpfel fallen einfach runter und verfaulen. Dabei sind es die besten Äpfel, die man haben kann. Sie glänzen vielleicht nicht so wie die aus dem Supermarkt. Die sind nämlich gewachst. Dafür duften sie schon nach Apfel, wenn man sie in der Hand hält und sie sind garantiert unbehandelt und naturrein.

Übrigens: Im Supermarkt findet man i.d.R. 5-6 verschiedene Sorten Äpfel. Wusstest du, dass es über 850 verschiedene Apfelsorten gibt? [2] In einem Dorf hatten die Leute früher im Durchschnitt 30 verschiedene Sorten, die sie untereinander tauschten.

Zuhause angekommen, NICHT mit den Schuhen in die Küche latschen! Also erst Schuhe aus, dann ca. 1,5 kg Äpfel waschen und beiseite stellen. Geschält werden sie erst nachdem der Teig auf dem Backblech ist, damit sie nicht braun werden.

Schritt 2: Der Teig

Wir machen hier einen Quark-Öl-Teig. Geht leicht und gelingt immer. Hefe-Teig geht auch, ist aber etwas komplizierter.

In eine große Rührschüssel: 250 g Quark (entspr. 1 kleinen Becher, Magerquark oder normaler Quark, geht beides, ist eh alles Quark). Dann 6 Eßlöffel Sonnenblumenöl, 75 g Zucker, 1 Prise Salz, 1 Päckchen Backpulver (entspr. etwa 3 Teelöffel), 1 Päckchen Vanillezucker, 1 Ei.

Das Ganze mit einer Gabel gut durch rühren (man braucht kein Rührgerät). Dann noch 300 g Mehl dazu und alles zu einem Teig rühren. Dauert nicht länger als 1 Minute. Den Teig mit den Händen aus der Schüssel nehmen und kurz zu einem Klumpen kneten. Wenn der Teig sich noch ein bischen matschig anfühlt, ist er genau richtig.

Dann den Teig auf einer mit Mehl bestreuten Fläche ausrollen, sodass er noch ca. 1 cm dick ist. Wer keinen Teigroller zur Hand hat, kann den Teig auch einfach mit den Händen breit klopfen und auseinander ziehen. Das geht auch; mach´ ich immer so.

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_Schritt 2_CC BY-SA 2.0

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_Schritt 2_CC BY-SA 2.0

Jetzt ein Kuchenblech mit Margarine einfetten, den breit geklopften Teig drauf und mit der flachen Hand auf dem ganzen Blech gleichmäßig verteilen. Jetzt ist der Teig insgesamt flacher als 1 cm und so soll es auch sein. Keine Angst, der Teig ist total robust, man kann nichts kaputt machen. Wenn mal ein Loch entsteht, einfach mit Teig zudrücken, das macht dem Teig nichts aus.

Schritt 3: Schmand-Belag

Jetzt wird´s osthessisch: Schmand muss ÜBERALL dran. An Süßspeisen, an Soßen und an deftige Mahlzeiten; reingerührt, obendrauf oder beides.

Der Grund: Schmand hatte man immer im Haus; zumindest auf dem Land. Und zwar nicht in so kleinen Plastikbechern, wie man sie heute im Supermarkt kauft, sondern einen halben 5 Liter Eimer voll. Der stand im Keller oder in der Speisekammer, immer schön kühl, ohne Strom. Heute nicht machbar, passt auch gar nicht in den Kühlschrank. Das nennt man Fortschritt.

Zurück zum Schmand-Belag: Von einem halben Liter Milch einen Schluck (entspr. 150 ml) in eine kleine Schüssel geben, 4 Eßlöffel Zucker und 1 Päckchen Vanillepudding einrühren. Den Rest von dem halben Liter Milch aufkochen und die angerührte Puddingsoße unterrühren, ganz kurz aufkochen lassen und 1 Becher Schmand (entspr. 250 g) ebefalls unterrühren. Fertig.

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_Schritt 3_CC BY-SA 2.0

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_Schritt 3_CC BY-SA 2.0

Den Pudding nehmen wir heutzutage, damit das Ganze etwas andickt und nicht zu flüssig ist. Früher hat man nur Schmand und Zucker genommen.

Schritt 4: Äpfel auf den Teig und Schmand drüber

Da der Schmand-Belag ohnehin etwas abkühlen muss, kann man jetzt in Ruhe die Äpfel schälen, entkernen und in Stücke schneiden und auf dem Teig auslegen.

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_Schritt 4a_CC BY-SA 2.0

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_Schritt 4a_CC BY-SA 2.0

Danach den Schmand-Belag mit einem Löffel über den Äpfeln verteilen und weil wir seit Schritt 3 sowieso mit dem Kalorien zählen aufgehört haben, kommt für den Geschmack noch Zimt und Zucker oben drauf. Außerdem duftet dann beim Backen das ganze Haus nach Apfel und Zimt, wunderbar.

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_Schritt 4b_CC BY-SA 2.0

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_Schritt 4b_CC BY-SA 2.0

Schritt 5: Die Streusel

Wem es zu viel des Guten ist: Die Streusel kann man auch weglassen und jetzt den Kuchen backen.

Der gestandene Osthesse macht dann aber als Ersatz nach dem Backen noch mal´ne Portion Schmand obendrauf. Dazu warten, bis der Kuchen abgekühlt ist. Dann 400 g Schmand (1 Becher reicht nicht, ein Schmand-Eimer im Haus wäre besser, siehe oben) mit 3 Eßlöffeln Zucker verrühren, auf dem Kuchen verteilen und kühl stellen. Wer keine Speisekammer oder keinen Keller hat, muss mit der Fortschrittstechnik arbeiten, d.h. Kühlschrank. Hoffentlich passt der Kuchen rein.

Zurück zu den Streuseln: In eine Schüssel 150 g weiche Butter (kann man kurz auf den Herd stellen, aber nur kurz!), 150 g Zucker und 250 g Mehl mit der Gabel verrühren bis es weiche Klümpchen gibt. Die Streusel auf dem Kuchen verteilen. Fertig.

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_Schritt 5_CC BY-SA 2.0

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_Schritt 5_CC BY-SA 2.0

Man sieht: Mit oder ohne Streusel, bezüglich der Kalorien macht das keinen Unterschied. In der osthessischen Küche kommt das Wort „Kalorien“ auch gar nicht vor. Bis zu meinem 18. Geburtstag kannte ich das Wort gar nicht. Warum Leute beim Essen zählen und rechnen, ist für Osthessen nicht nachvollziehbar. Wenn wir essen, dann essen wir uns satt. Gerechnet wird in der Schule oder im Finanzamt.

Schritt 6: Backen und fertig

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen; das kann man übrigens bei Beginn von Schritt 5 schon machen. Dann verlieren wir nicht so viel Zeit, weil wir bekommen ja schon langsam Hunger. Den Kuchen ca. 30 Min backen und danach abkühlen lassen.

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_CC BY-SA 2.0

Bild: Robert A. Hohmann_Apfelkuchen_CC BY-SA 2.0

Noch ein Wort zum Thema Apfel

Apfelbäume gehören in die Familie der Rosengewächse. Kulturell betrachtet steht der Apfel für Sexualität, Fruchtbarkeit, Leben, Erkenntnis, Entscheidung und Reichtum. [3]

Na dann, lasst´s euch schmecken!

Zutatenliste „Oma´s Osthessischer Apfelkuchen mit vollem Programm“

1,5 kg Äpfel

Für den Teig:
250 g Quark
6 Eßlöffel Sonnenblumenöl
75 g Zucker
1 Prise Salz
1 Päckchen Backpulver
1 Päckchen Vanillezucker
1 Ei
300 g Mehl

Für den Schmandbelag mit Pudding:
1/2 Liter Milch
4 Eßlöffel Zucker
1 Päckchen Vanillepudding
250 g Schmand (entspr. 1 Becher)

Für die Streusel:
150 g weiche Butter
150 g Zucker
250 g Mehl

Und ein letztes Wort zur Zeit

Für den modernen, fortschrittsgeplagten Menschen mag das Rezept auf den ersten Blick zeitaufwändig erscheinen.

Das liegt aber daran, dass der sogenannte Fortschritt die personellen logistischen Kompetenzen und das nötige Kulturwissen zur Gestaltung eines selbstbestimmten Lebens auf das Schieben eines Einkaufwagens reduziert hat.

Der traditionelle Osthesse hat – mit Ausnahme der 2 Elefanten – die oben angegebenen Zutaten standardmäßig IMMER im Haus und benötigt bei der Zubereitung kein Backbuch. Ohne zu hetzen und mit 2 Espresso zwischendurch liegt die Zubereitungszeit für den Apfelkuchen bei durchschnittlich 35 Min, ohne Backzeit. Da sucht so mancher immer noch nach einem Parkplatz.

Quellenangaben

[1] Loriot, bürgerlich: Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow: Loriots kleiner Ratgeber, Diogenes Verlag Zürich, 1974, S. 21

[2] Wikipedia.org: Liste von Apfelsorten, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Apfelsorten (Stand: 03.10.2014)

[3] Wikipedia.org: Kulturapfel, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturapfel

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